Der Amiga A1200

Beim Amiga 1200 handelt es sich um einen 32-Bit Heimcomputer aus den 1990er Jahren. Er ist das letzte Modell der Amiga-Reihe des US-amerikanischen Herstellers Commodore International aus dem Staat Pennsylvania, genauer West Chester. Als Teil der finalen dritten Amiga-Generation löste er seinen erfolglosen Vorgänger, den Amiga 600 ab. Dieser wiederum folgte auf den wesentlich beliebteren Amiga 500, dessen Produktion im Nachhinein betrachtet vorschnell eingestellt wurde, was enorme finanzielle Probleme für den Hersteller zur Folge hatte.

Der Amiga 1200 / Shutterstock Maria Sedova

 

Der Tastaturcomputer, was bedeutet, dass Tastatur und Computer im selben Gehäuse untergebracht sind, ist aus hellbeigem Kunststoff gefertigt und verfügt über eine grafische Benutzeroberfläche. Die Stromversorgung erfolgt über ein anschließbares externes Netzteil, welches über einen Netzschalter verfügt.

Die Tastatur entspricht dem US-amerikanischen Industriestandard der damaligen Zeit. Sie hat 96 Tasten, welche räumlich in vier Bereiche unterteilt sind. Zusätzlich zu der Haupttastatur (Buchstaben-Tasten, Satzzeichen, etc.), den Zahlentasten, den Pfeiltasten und den Funktionstasten gibt es zwei sogenannte Amiga-Tasten, welche der Menüauswahl dienen.

Oberhalb des nummerischen Ziffernblocks sitzen drei Kontrollanzeigen auf der Oberseite der Tastatur-Computer-Konstruktion. Bei ihnen handelt es sich um kleine LED-Lampen, welche Aufschluss über den Stromfluss, den Status des Diskettenlaufwerks und die Betriebsbereitschaft der internen Festplatte, sofern eine angeschlossen ist, geben.

Das Gehäuse unter der Tastatur, in welcher sich der eigentliche Computer befindet, ist rechteckig und misst 49 cm Breite x 24,5 cm Höhe x 7 cm Tiefe.

In ihr befindet sich unter anderem auch ein 3 ½ Zoll Diskettenlaufwerk.

Der Computer verfügt über einen 32-Bit Hauptprozessor, welcher mit 14 MHz (Megahertz) getaktet ist und zum Typ Motorola 68E020 gehört. Dieses CPU Modell ist eine Weiterentwicklung des Motorola 68020 von 1984.
Der Arbeitsspeicher, beziehungsweise RAM-Speicher (random access memory), ist 2 MB groß und der Festplattenspeicher, auch ROM-Speicher (read only memory) genannt, auf dem Daten langfristig abgespeichert werden können, auch wenn der Computer ausgeschaltet wird, bietet 550 KB (oder erweitert bis zu 880 KB) Speicherplatz. Zum Vergleich: Ein heutiger iMac, ein bekannter Homecomputer der Marke Apple Inc. und Nachfolger des Apple-Macintosh, verfügt über einen Prozessor mit durchschnittlich 3 GHz (Gigahertz) Arbeitsleistung, 8 GB (Gigabyte) Arbeitsspeicher und bis zu 1 TB (Terrabyte) Festplattenspeicherplatz.

Der Amiga 1200 hat zudem eine externe PCMCIA-Schnittstelle (PC Memory-Card International Association Schnittstelle) und eine für den AT-DIE-Pfostenstecker zum optionalen Anschluss einer weiteren internen Festplatte von 2 ½ Zoll Größe. So kann der ursprünglich vorhandene Speicherplatz zusätzlich erweitert werden.

Auf der Rückseite des beigen Gehäuses befinden sich diverse Anschlussstellen für die Stecker weiterer externer Geräte, wie zum Beispiel einer Maus oder einem Joystick.

Als besonders herausragendes Merkmal des Amiga 1200 Modells gilt der eingebaute AGA-Chipsatz (Advanced Graphics Architecture Chipsatz), welcher in Deutschland unter dem Namen AA-Chipsatz bekannt ist, da der Name AGA hier bereits für die sogenannte AA-Grafikkarte vergeben war. Erstmals war dieser im Modell Amiga 4000 zu finden, welcher ebenfalls Ende 1992 auf dem Markt erschien und eine Weiterentwicklung des Amiga 3000 war. Es handelt sich dabei um ein System aus mehreren kooperativen Prozessoren, welche die Aufgabe haben, den Hauptprozessor zu entlasten. Unter anderem sind diese Koprozessoren verantwortlich für das Videosignal, die Tonausgabe und die Speicherverwaltung. Dieses System führt zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsgeschwindigkeit und der grafischen Leistungen, für welche der Amiga 1200 damals bekannt war. Zu diesem Chipsatz gehören der Grafikprozessor Lisa, der Custom-Chip Alice und der Soundchip Paula.

Der Grafikprozessor Lisa verfügt bei gleichem Volumen, wie sein Vorgänger Denise, welcher ganze 7 Jahre lang in verschieden Computern von Commodore International verbaut wurde, über 300.000 Transistoren mehr. Zudem hat auch er einen 32 Bit breiten Datenbus. Dies macht ihn deutlich leistungsfähiger, als den vorigen. Mit seinem 24-Bit Farbraum kann er mindestens 256 Farben zur selben Zeit auf der Bildschirmfläche anzeigen und unterstützt ganze 6 Standard Grafikmodi mit verschiedener Auflösung und variierender Bildwiederholfrequenz. Je nach gewähltem Modus kann eine Auflösung von mehr als 1200 Pixeln erreicht werden, was Echtfarben außergewöhnlich nahekommt. Diese sechs Modi werden SuperHiRes, SuperHiRes Interlace, HiRes, HiRes Interlace, LowRes und LowRes Interlace (von der höchsten Leistung abwärts sortiert) genannt.

Der Custom-Chip Alice, dessen offizieller Name MOS Technology 8374 ist, stellt ebenfalls eine enorme Verbesserung gegenüber seinem Vorgänger, dem Custom-Chip Agnus, dar. Er ist ideal für den verbauten 32-Bit Prozessor konzipiert und beinhaltet zwei weitere Koprozessoren, den Blitter und den Copper. Letzterer verfügt über eigene Programme, die Copperlisten, mit welchen er arbeitet, um bei jedem Bildaufbau eines Standbildes dieselben Speicherbereiche darzustellen. Der Alice-Chip sorgt so für einen schnellen Bildaufbau und ermöglicht das schnelle Verschieben von Festplatteninhalten von einem Speicherort zu einem anderen.

Der digitale Soundchip Paula stellt insofern eine Ausnahme zu den anderen Teilen des AGA-Chipsatzes dar, als er seit 1985 designtechnisch mehr oder weniger unverändert geblieben ist, was wohl an seiner vermeintlichen Bewährtheit liegt. Er verfügt über vier 8-Bit Stereokanäle, welche jeweils einen eigenen Soundkanal haben und durch sie Töne an die externen Lautsprecher transportieren. Als weitere Aufgabe übernimmt der Soundchip die Ansteuerung angeschlossener externer Geräte und Diskettenlaufwerke. Nach Veröffentlichung des Amiga 1200 sollte die Leistung dieses Soundchips jedoch einen der wenigen negativen Kritikpunkte darstellen.

Der Computer Amiga 1200 läuft mit dem eigenen Betriebssystem des Unternehmens Commodore International. Passend zu den Namen der mit ihm betriebenen Computer, heißt dieses AmigaOS und bewährte sich bereits in den vorigen Amiga Modellen.
Es ist aus verschiedenen Modulen aufgebaut. Beispiele hierfür sind die Amiga Workbench (die Grafische Benutzeroberfläche) und der Kickstart. Letzterer enthält unter anderem den Betriebssystemkern Exec, den Kommandozeileninterpreter Shell (in den ersten Jahren hieß dieser noch CLI) und die zentralen Systembibliotheken für die GUI, was die Abkürzung für graphical user interface ist.

Für das Computermodell Amiga 1200 wurde eine neue Version des Betriebssystems eingeführt: AmigaOS 3.0. Diese brachte zum Beispiel zusätzliche Mauspfeil-Bedienelemente, eine Überarbeitung des Bootmenüs, die Einführung vom Hypertextformat Multiview und einer 3-dimensionalen Menüleiste mit sich.

Ein weiteres Update, mit dem Namen AmigaOS 3.1, wurde 1994 veröffentlicht und machte den Computer unteranderem CD-ROM-Laufwerk kompatibel.

1992 floppte das Vorgänger Modell Amiga 600 aufgrund technischer Designfehler, woraufhin der damalige Entwicklungsabteilungsleiter Bill Sydnes entlassen wurde und ein neues, verbessertes Modell geplant wurde – der Amiga 1200.
Veröffentlicht wurde dieses bereits im Oktober 1992. Der Markteinführungspreis betrug in den USA 599 US$, was ca. 540 € entspricht. In Deutschland lag die UVP (unverbindliche Preisempfehlung) für die Verkaufspreise der Einzelhändler hingegen bei 899 DM (deutsche Mark), was umgerechnet nur rund 460 € sind.

Ein großes Problem stellte zu Beginn dar, dass Commodore International durch den Flop des Modells Amiga 600 finanziell sehr schlecht aufgestellt war. Dies führte dazu, dass die Herstellung des AGA-Chipsatzes extern erfolgen musste, was von dem Unternehmen Hewlett Packard übernommen wurde. Dieses lieferte jedoch bis zum Winter 1992 nur 100.000 Chipsätze, obwohl doppelt so viele Vorbestellungen, vor allem aus dem Westen Europas, für den Rechner eingegangen waren. So erhielt das Unternehmen enttäuschender Weise nur die Hälfte des eingeplanten Startumsatzes und verärgerte dabei zunächst diverse Kunden, die entweder kein Exemplar erhielten oder erst mit deutlicher Verspätung.

Da der Computer jedoch gute Kritiken erhielt, konnten die Verkaufszahlen Mitte 1993 trotzdem die des früheren Erfolgsmodells Amiga 500 erstmalig übersteigen. Bis zum folgenden Jahr konnten insgesamt 95.500 Amiga 1200 Computer allein in Deutschland an Kunden verkauft werden.

Bis zum Frühling des Jahres 1994 schaffte dieses Modell es bezüglich der Marktanteile sogar auf den 2. Platz in ganz Europa. Gefolgt wurde es vom Apple-Macintosh. Mit Abstand führend blieben jedoch Computermodelle, welche mit MS-DOS (Microsoft Disk Operating System), dem ersten Betriebssystem der Firma Microsoft, kompatibel waren.
Trotz des langsam kommenden Erfolges, musste der Hersteller Commodore International im Monat April 1994 seinen Konkurs verkünden, was die Konsequenz nach sich zog, dass die Produktion des Amiga 1200 bis auf Weiteres komplett eingestellt werden musste.

Im Mai des folgenden Jahres nahm das in Deutschland angesiedelte Unternehmen Amiga Technologies die Herstellung des Amiga Computermodells jedoch wieder auf. Um eine erneute Enttäuschung zu Beginn des Verkaufes auszuschließen, wurde die Neuauflage massiv in der damals schon weit verbreiteten Fastfood-Restaurant-Kette McDonald´s beworben.
Dennoch wurden die optimistischen, von Amiga Technologies selbst gestellten Prognosen zu den Verkäufen im Startjahr bei Weitem unterschritten. Je nach Quelle konnten so im Jahre 1995 nur ca. 20.000 bis maximal 40.000 Exemplare auf dem westeuropäischen Markt verkauft werden.

Hinzu kam die enorme Konkurrenz durch die mit Windows 3.0 und über eine VGA Grafikkarte verfügenden MS-DOS Computer. Diese verfügten über eine wesentlich höhere Nachfrage durch und Beliebtheit bei Kunden und waren bezüglich grafischer Leistung inzwischen mindestens gleichwertig mit dem Amiga 1200. Dies führte dazu, dass Entwickler zunehmend nur noch Programme und inzwischen auch Spiele für Microsoft Computermodelle schrieben und der Amiga mehr und mehr unattraktiver für den Heimgebrauch wurde.

Die endgültige Einstellung der Produktion des Amiga 1200 erfolgte im Juli 1996. Zu dieser Zeit musste das Unternehmen Escom, von welcher Amiga Technologies eine Tochterfirma war, Insolvenz anmelden.

Obwohl die Veröffentlichung des Computers Amiga 1200 kurzfristig einen dringend gebrauchten Aufschwung für ihren ursprünglichen Hersteller Commodore International bedeutete konnte er sich letztendlich nicht gegen die gewaltige Konkurrenz der MS-DOS kompatiblen Computer durchsetzen. Sein Erfolg war dabei im westlichen Europa deutlich größer, als im ursprünglichen Herstellungsland, den Vereinigten Staaten von Amerika.

Das Computermodell erhielt überwiegend positive Kritiken und wurde als bestes und erfolgreichstes Modell seines Produzenten bezeichnet.

Besonders hervorgehoben wurde dabei die fortschrittliche grafische Leistung durch den AGA-Chipsatz und die gesteigerte Geschwindigkeit durch den 32-Bit Prozessor.

Negativ fiel jedoch die Soundqualität des veralteten Soundchips auf.

Durch sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis war der Rechner insbesondere attraktiv für den privaten Gebrauch und zudem äußerst massentauglich.

Trotz der überwiegend gelobten Eigenschaften des Amiga 1200, schaffte er es als Heimcomputer nicht an die Spitze der Rangliste. Wirklich erfolgreich war er jedoch im Bereich der Videoverarbeitung.

Dem Modell mangelte es keinesfalls an Nachfrage, durchsetzen konnte es sich jedoch nicht.

Zwar wird der Rechner seit 1996 nicht mehr produziert, gelangt heutzutage aber in der sogenannten Retrocomputing-Szene zu neuer Beliebtheit. So wird auch die Produktion neuer Programme und Hardware-Erweiterungen für den Amiga 1200 teils wieder aufgenommen.

Auch die Weiterentwicklung des Betriebssystems AmigaOS wird seit der Insolvenz des ursprünglichen Anbieters von Dritten fortgeführt.

Ebenfalls immer noch interessant ist der Tastaturcomputer, auf Grund seiner außergewöhnlichen Architektur und seiner fortschrittlichen Module, für Bastler und Sammler. Besonderes Interesse zeigen diese dabei für den eingebauten Uhrenport. War dieser damals für den Anschluss einer batteriebetriebenen Uhr oder einer Speichererweiterung geplant, wurde inzwischen entdeckt, dass er auch für USB, ISBN und Controller genutzt werden kann, um nur einige Beispiele zu nennen.
Auf der digitalen Marktplattform Ebay wird das Amiga 1200 Modell für ca. 500 € bis 1000 € angeboten, was den damaligen Neupreis weit übersteigt.

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