Der Amiga 500

Der Amiga 500 hat eine relativ kurze aber sehr imposante Geschichte hinter sich. Nach dem Riesenerfolg von Commodore mit dem C64, der endlich Heimcomputer in den 80er Jahren in die Jugendzimmer brachte und das Verhalten von Millionen Jugendlichen nachhaltig veränderte, gelang dem Unternehmen mit dem Amiga 500 eine Steigerung, die mehr als eine bloße Erfolgsstory darstellt. Der Amiga 500 ist der wohl beliebteste und meistverkaufte Heimcomputer aller Zeiten und war in den ausgehenden 80er Jahren als Volkscomputer beliebter als jedes andere vergleichbare Produkt.

Der Amiga 500

Mit unserem heutigen Wissen über die Computer und vor allem das Internet erscheint der Amiga 500 eher ein kleiner Baustein im monumentalen Gebilde, das heute die Welt zu regieren scheint. Damals jedoch war der Amiga 500 ein Meilenstein, der bahnbrechende Technologie verwendete, die teilweise heute noch in seinen Nachfolgern zu finden ist. Zwar sieht das nur der Kenner auf den ersten Blick, aber die Technik ist da und der Amiga 500 war ein sehr beliebtes und erfolgreiches Produkt, das sich hier einen Namen machen konnte. Commodore war auf seinem Höhepunkt angelangt. In den folgenden Jahren sollte sich zeigen, dass dieser Erfolg nicht mehr wiederholt werden konnte und das Unternehmen schließlich im Nichts verschwand.

Der Amiga 500 überzeugte in Bild- und Tonqualität und war den anderen PCs der damaligen Zeit in diesen Punkten überlegen. Als erschwinglicher Heimcomputer wurde er schnell in den Jugendzimmern zum Spielecomputer umfunktioniert. Die Vielfalt an erhältlichen Spielen war enorm und die Raubkopien, die auf den Schulhöfen weitergereicht wurden, verursachten Commodore wie zuvor beim C64 große Schwierigkeiten. Die Beliebtheit des Computers konnte all dies aber keinen Abbruch tun.

Die technischen Details des Amiga 500

Der Prozessor des Amiga 500 war eine mit 7,09 MHz getaktete Motorola 68000-CPU, die einen Arbeitsspeicher von 512 KByte verfügbar machte. Mit Hilfe von Erweiterungen konnten insgesamt 9 MB Arbeitsspeicher hergestellt werden. Das unternehmenseigene Betriebssystem AmigaOS in der Version 1.2 rüstete den PC in den ersten beiden Erscheinungsjahren aus, danach wurde die 1-3-Version aufgespielt.

Amiga500 Platine / Stockfoto- Nummer: 1044243595 by Andifo

Die Tonausgabe funktionierte im Stereoton und wurde durch 2 8-Bit-PCM-Kanäle realisiert. Der dafür zuständige Chip wurde von einer Tochterfirma von Commodore, der MOS Technology, hergestellt.

Der Amiga 500 besaß ein eigenes Netzteil und wurde über eine 5-polige Buchse mit dem Netzanteil an den Strom angeschlossen. Über den 23-poligen Sub-D-Stecker wurde ein RGB-Video-Signal abgegeben, welches dann mit dem Monitor synchronisiert werden konnte. Über die 23-polige Sub-D-Buchse dagegen lassen sich externe Diskettenlaufwerke anschließen.

Zwei 9-polige Sub-D-Stecker können Joysticks an den Amiga 500 anschließen, die natürlich gerade wenn es um das Spielen geht das wichtigste Instrument neben dem Diskettenlaufwerk waren.

Der Amiga 500 verfügte über keine eingebaute Festplatte, was bedeutete, dass Spiele nur über das Diskettenlaufwerk eingelesen werden konnten. In einigen Fällen mussten komplexe Spiele auf mehr als 10 Disketten verteilt nach und nach eingelesen werden, was vom Spieler immer wieder Unterbrechungen und Aktionen verlangte. Der Spielspaß wurde nachhaltig gehemmt, was aber damals in Ermangelung von echten technischen Alternativen niemanden wirklich störte.

Die Spielehits für den Amiga 500 verzauberten eine ganze Generation von Spielern

Wer zu den ersten im Jahre 1987 gehörte, der einen Amiga 500 sein Eigen nennen durfte, wurde zweifellos auch sofort mit den frühen Spielehits des PCs konfrontiert. „Defender Of The Crown“ ist ein Mittelalterspiel, das für die damalige Zeit eine unglaubliche Grafik anbot. Was heute als sehr verpixelt angesehen wird, war damals so erstaunlich, dass Spieler mit heruntergeklappter Kinnlade für Minuten vor dem Bildschirm saßen, ehe das Spiel überhaupt begann.

Defender of the Crown

Spielehersteller Cinemaware war für diesen Hit verantwortlich und brachte mit „The Three Stooges“, „King Of Chicago“ und „Sinbad And The Throne Of The Falcon“ weitere Spiele auf den Markt, die neue Maßstäbe setzen sollten. Der Amiga 500 flexte seine neuen Muskeln und die Herzen der Spieler schmolzen dahin. Ein Geheimtipp war „Fairy Tale Adventure“, ein Rollenspiel, das das Zeug mitbrachte Spieler für mehrere Tage und Nächte auf der Suche nach Schätzen und Feinden zu binden. Es kann legitimerweise davon gesprochen werden, dass hier der Gamer geboren wurde, der im Spielen seiner Spiele und dem Eintauchen in andere Welten den hauptsächlichen Sinn seines Daseins sieht.

Wer noch mehr Action benötigte griff zu „Barbarian“, das vom britischen Hersteller Psygnosis entwickelt wurde. Psygnosis sorgte für einige Hits auf dem Amiga 500 und wurde 1993 von Sony übernommen, um an einer weiteren legendären Gerätschaft mitzuwirken: der PlayStation.

Neben den neu für den Amiga entwickelten Spielen, gab es zahlreiche Portierungen von alten und erfolgreichen Spielen. Winter Games und Summer Games wurde aus den C64-Versionen weiterentwickelt. Es gibt allerdings viele C64-Anhänger, die immer noch schwören, dass die Versionen für den ursprünglichen Commodore besser waren. Amiga fuhr mit neuen Spielen, die für die damals herausragenden Möglichkeiten entwickelt wurden, meist besser.

„Test Drive“ war der Auftakt zu einer Reihe Autorennspiele, die die Fans des Genres begeisterten. Mit „Ports Of Call“ wurde ein deutsches Spiel ebenfalls zum Renner bei den Amigaspielen. Mit dem Shooter „Goldrunner“ gab es auch eine Portierung vom Atari hinüber zum Amiga 500.

Der Amiga 500 ging 1987 zu seinem Debüt mit einem Preis von 700 DM an den Start. Das war sicherlich ein nettes Sümmchen, aber die neue Leistungsfähigkeit überzeugte die Käufer restlos. Es war möglich den Computer für Textverarbeitung und kleine Tabellen zu nutzen, sodass die klassischen Büroarbeiten zu Hause erledigt werden konnten. Für die echte Berufswelt war der Amiga 2000 mit größeren Kapazitäten besser geeignet, aber der 500er machte seine Sache für kleine Aufgaben sehr solide. Im Gaming war der Amiga nicht zu schlagen Fließende Bewegungen auf dem Monitor und wenig Pixel in der Grafik waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich selten und Amiga machte vor, was es bedeutet eine ganze neue Dimension zu beschreiten. Mit „Defender Of The Crown“ und „Marble Madness“ waren auch gleich zwei Spiele geschaffen worden, die den Fans die Möglichkeiten des Amiga 500 aufzeigen sollten und den Computer von Beginn an durchsetzten.

Seine direkten Nachfolger, der Amiga 500 Plus und der Amiga 600, hatten nicht annähernd dein gleichen Erfolg, da beide Geräte einfach nicht genug Neuerungen aufweisen konnten, um den Amiga 500 von der Spitzenposition zu verdrängen. Sie hatten nur kleine Verbesserungen, da Commodore zu diesem Zeitpunkt bereits zu wenig in Innovation investierte und völlig auf der 500er Erfolgswelle schwamm. Das sollte sich mit einem bitteren Ende zum Schluss noch rächen.

Immer wenn es um die Spiele geht, muss auch das Thema Raubkopien angesprochen werden. In den 70er und 80er Jahren war es normal, dass Schallplatten auf eine Kassette überspielt wurden, damit die sensible Platte gar nicht so oft aufgelegt werden musste und möglichst Kratzer und andere Schäden vermieden werden können. Es blieb nicht bei diesen Sicherungskopien, die Bänder wurden verbreitet und so kam Musik praktisch kostenlos in große Verbreitung. Bei den Computerspielen war dieser Zeitgeist ebenfalls vorhanden. Schon beim C64 musste nur das Geld für eine Leerdiskette investiert werden und schon konnten 30 oder mehr Spiele übertragen werden. Beim Amiga 500 setzte sich das fort. Gerade auf den Schulhöfen fanden die Spiele eine rasant schnelle Verbreitung, was letztendlich aber auch zur Popularität des Geräts beitrug. Es bleibt zu diskutieren, ob die Raubkopien dem Gerät mehr nutzten oder schadeten, aber eine eindeutige Antwort lässt sich sicherlich nicht geben.

Das beste Zubehör für den Amiga 500

Um den Spielecomputer ideal nutzen zu können, musste natürlich eine gewisse Hardware besorgt werden, die den Spaß dann abrunden konnte. Da der Computer ursprünglich als Bürokraft entwickelt worden war, lag dem Gerät anfangs kein Joystick bei. Dieser Joystick war aber essentiell, um die immer komplexer werdenden Spiele gut spielen zu können. Tastaturbedienung dagegen konnte schon bald die Zusammenhänge nicht mehr leisten und war sehr kompliziert. Der Competition Pro wird in vielen Fachblättern als der ultimative Joystick für den Amiga bezeichnet und mit ihm ließen sich alle Spiele bestens bespielen.

Auch der 1084S war als Monitor auf den Amiga ausgelegt und brachte satte Farben ins Spiel. Hier konnte das Gerät mit den überragenden Grafikfähigkeiten prahlen und die Fans verzaubern. Dazu kam dann wahlweise ein Drucker, der aber als Spielecomputer keinen so großen Stellenwert besaß. Er war nur interessant, wenn tatsächlich auch Textverarbeitung durchgeführt werden sollte.

Der Amiga 500 hat sich den Legendenstatus wohl verdient

Der Heimcomputer Amiga 500 war vielleicht der Höhepunkt schlechthin des Heimcomputerzeitalters. In den 80er Jahren beherrschte er den Markt und konnte bis in die 90er Jahre hinein diese Position konsolidieren. Erst als die PCs und Spielekonsolen anderer Hersteller immer mehr aufholen konnten und den Amiga letztendlich überflügelten, musste das Gerät den Gang in die Mottenkiste antreten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Heimcomputer Technologie eingeführt hat, die teilweise noch heute genutzt wird und richtungsweisend war.

Mit der unglaublichen Softwareproduktion, die für den Amiga 500 umgesetzt wurde, setzte sich endgültig das Prinzip „Software sells Hardware“ durch. Das Gerät erreichte besonders in Europa sensationelle Verkaufszahlen und litt dabei nicht wirklich unter den Raubkopien, die das Unternehmen zwar Millionen kosteten, aber die Popularität immer weiter steigerten. Für keinen weiteren Heimcomputer wurden im Rahmen seiner Blütezeit so viele Spiele entwickelt. Die Tatsache, dass es auch immer öfter vorkam, dass gleich in die Verpackung ein Spiel als Bundle-Angebot mit beigelegt wurde, zeigt, dass der Computer seine Bürobedeutung schnell verloren hatte und als erster reiner Gaming Heimcomputer den Markt erobern und beherrschen sollte.

Das Gerät begeisterte eine Spielergeneration und hat bis heute einen Stellenwert, der als sehr hoch einzuschätzen ist. Es werden immer noch Amiga-Treffen von Fans durchgeführt und Entwickler können aus dem Gerät bis heute immer wieder Erstaunliches herauskitzeln, unter Einsatz ganz neuer Technologie und Software. Die Amigaspiele und den dazugehörigen Heimcomputer zu sammeln ist ein Hobby für viele Kinder der 80er Jahre. Die meisten Spiele sind bei Ebay schon für ein paar Euro zu erstehen, sodass der Sammelspaß schnell Erfolge aufweisen kann. Bestimmte Klassiker, die aber zurückgezogen wurden oder indiziert wurden und daher seltener in ihrer Verbreitung sind, können hohe Preise erlangen. Die heutige Gaming-Szene mit Hochleistungs-PCs und Spielekonsolen auf allerhöchstem Niveau verdankt ihr Dasein auch dem Amiga 500, der uns dadurch immer in Erinnerung bleiben wird.

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