Amiga 4000

Nachdem der Amiga 3000+ kurz vor der Marktreife eingeschläfert worden war, warf sich Commodore mit Elan auf die Entwicklung des Amiga 4000. Er wurde im Jahre 1992 der sehnsüchtig wartenden Amiga-Community vorgestellt und zeigte noch einmal allen, was Commodore in Sachen Farbenpracht auf den Monitor zauber konnte. Mit dem besonderen Amiga 4000 T wurde der „normale“ 4000er noch getoppt. Das Ende der legendären Computerschmiede aus West Chester  konnte dieses Leuchtturmmodell jedoch auch nicht mehr abwenden.

Voll in Farbe

Sowohl Menge wie Qualität der Farben war ja schon immer ein zentrales Thema bei Commodore gewesen, was mit dem Amiga 1000 bereits eindrücklich vorgeführt worden war. Der Amiga 4000 zeigte, dass in dieser Hinsicht noch viel mehr geht. Dafür sorgte der neue AGA-Chipsatz, der ja bereits im letzten Versuchsmodell des Amiga 3000 + erfolgreich und zur großen Zufriedenheit der Entwickler ausprobiert worden war. Dieser Chipsatz ermöglichte es,  256 Farben in allen Abstufungen aus einer Palette von 16,7 Millionen zu generieren. Komplettiert wurde diese neue Farbenqualität  durch eine Vielzahl neuer Auflösungen und Bildwiederholfrequenzen.

Selbstverständlich sind das winzigste Feinheiten, deren Unterschiede und Vielfalt das menschliche Auge im einzelnen Vergleich gar nicht wahrnehmen kann. Hinsichtlich Brillanz und Farbdynamik hat das aber schon seine Auswirkungen auf die Qualität des Gesamtbildes. Um ein solches Gesamtbild erreichen zu können musste aber die

Amiga 4000 Platine

256 Farben-Workbench in 1024 x 768 Pixeln auch rüber gebracht werden. Dazu waren zum einen entsprechende Monitore erforderlich. Aber auch die Schnelligkeit des technischen Systems musste entsprechende Steigerungen erfahren. In dieser Hinsicht wirkten sich natürlich die neuen AGA-Chips, die jetzt Alice und Lisa hießen während Denis geblieben war,  schon beschleunigend aus. Allerdings war diese Steigerung in Sachen Geschwindigkeit nur möglich, weil jetzt auch eine Chip-RAM Breite von 32 Bit für den Zugriff zur Verfügung stand. Der neue Chipsatz allein hätte nämlich kaum was gebracht, wenn es hier bei 16 Bit geblieben wäre. Eine höhere Taktung im Vergleich zu früheren Amiga-Modellen war eine weitere Zutat für verhältnismäßig hohe Geschwindigkeiten.

Mit neuem Betriebssystem

Als Betriebssystem bekam der 4000er zunächst höchst exklusiv die neue Version AmigaOS 3.0 verpasst. Damit konnte kein anderer Amiga-Rechner etwas anfangen. So richtig gut fanden die Entwickler und Manager von Commodore diese Idee im nach hinein wohl doch nicht, denn die Version 3.1 konnte dann wieder für alle Amigas verwendet werden. Das neue Betriebssystem machte sich übrigens ganz gut –  insbesondere in Sachen Stabilität. Die Häufigkeit von Systemabstürzen nahm damit spürbar ab. Des weiteren gab es neue Voreinsteller Programme, bessere Unterstützung von Grafigkarten sowie ein neues Early Startup Menü. Veränderungen zeigten sich des weiteren bei der  workbench.library, die sich nicht mehr im ROM befand, sondern auf der Festplatte gelandet war. Grund dafür war der knappe Platz im ROM, von dem sich schon die Treibercodes für SCSI-Controller und IDE großzügig bedienten.  Des weiteren hatte der 4000er  2MB Chip- und 4MB Fast-RAM.

Hin und Her in Sachen Prozessor

Hinsichtlich Prozessor zeigte sich mal wieder jene Unentschlossenheit, die neben der Innovationsfreude auch ein typisches Merkmal von Commodore gewesen war. So kam 1992 der Amiga 4000 neu und frisch mit einem MC68040 Prozessor auf die Welt, der eine Frequenz von 25 Mhz und intern von 50 Mhz. mit brachte. Doch bereits ein Jahr später erfolgte ein kleiner Schritt zurück zum bekannten MC68030 Prozessor mit 25 Mhz. Taktung. Zur Unterscheidung wurde dieses Modell Amiga 4000/030 genannt. Allgemein wurde das Modell als Sparversion betrachtet, um auch Interessenten mit schmalerem Geldbeutel die Kauf eines neuen Amiga zu ermöglichen.

Es gab aber noch eine Begründung und die hing mit dem Ort zusammen, an dem der Prozessor sich befand. Genau wie beim 3000er war das nämlich eine eigene Steckkarte, standardmäßig die A3640. Der Vorteil war, dass User damit die Chance hatten, den technischen Fortschritt in Sachen Prozessor zu nutzen, falls der sich einstellen sollte. Da hätte dann einfach nur die Steckkarte ausgetauscht werden müssen. Gut und schön – das aber führte dazu, dass der Prozessor nur relativ langsam auf den Hauptspeicher zugreifen konnte, der sich im Mainboard befand. Mit der A3630 und dem darauf befindlichen Prozessor MC68030 ergab sich dieses Problem aber nicht, weil diese Card im Unterschied zur A3640 über einen eigenen Speicher verfügte. Also jetzt alles gut und schön? Auch nicht, denn während der Zugriff auf den Speicher nun schneller funktionierte, weil der ja qusi gleich nebenan war, lief der Prozessor insgesamt langsamer.

Doch egal welche Begründung für die Rückkehr zum 030er Prozessor herhalten musste – für zahlreiche User war das Vor und Zurück in Sachen CPU wohl doch ganz schön affig. Zumindest hinsichtlich Geschwindigkeit beim Speicherzugriff gab es ja noch eine andere Lösung und zwar in Gestalt der beliebten Turbokarten. Immerhin verfügten die  ebenfalls über eigene Speicher.

Heißes Teil

Manche Rechner hätte man seinerzeit auch als Heizung benutzen können und je fortschrittlicher sie in Sachen Technik waren, um so mehr Hitze produzierten sie. Der Amiga 4000 machte in dieser Hinsicht nicht nur keine Ausnahme, sondern war anfangs gar ein besonders heißes Exemplar. Grund dafür war einer, der den Usern einerseits gefiel – nämlich ein verhältnismäßig kleines Gehäuse. Darin staute sich dann die von den zahlreichen zahlreichen technischen Komponenten produzierte Hitze. Selbstverständlich war ein Lüfter vorhanden.

Amiga 4000 Case

Doch bezüglich diesem gab es einen merkwürdigen Konstruktionsfehler. Der Lüfter blies nämlich die heiße Luft nicht von innen nach außen, sondern outete sich wie ein Staubsauger, der die Außenluft nach innen sog. Logisch dass so etwas höchst kontraproduktiv ist. Der Lüfter musste also anders herum eingebaut werden. Danach trieb er zwar einiges von der Hitze aus dem Gehäuse heraus. Doch es blieb genug übrig, um die Konstrukteure noch mal zu aktivieren. Die spendierten dem Amiga 4000 schließlich einen aktiven Kühler für die CPU. Außerdem wurden, wo es möglich war, die Kabel im Gehäuse verkürzt. Dadurch wurde eine bessere Zirkulation der Luft erreicht.

Nutzloses Bauteil

Nun sind ja Amiga-Modelle immer höchst innovativ gewesen, was ihnen zu Recht einen legendären Ruf einbrachte. Diese Innovationsfreude brachte bisweilen auch absurdes hervor. Ein solches Beispiel war der Amiga 4000 D. Dieser besaß nämlich einen Jumper, mit dessen Hilfe ein Umschalten zwischen 2 MB- und 8 MB RAM möglich gewesen wäre. Dummerweise gab es weit und breit keine 8 MB RAM. Natürlich hätten User eine 8 MB Speichercard einbauen können mit dem Ziel, diese als Chip-RAM zu verwenden.

Der Amiga 4000

 

Das wurde teilweise auch so gemacht und der Jumper konnte auf diese Chip-RAM auch springen. Verwendet wurden von diesen 8 MB merkwürdigerweise doch nur 2 MB. Der vorhandene Chipsatz konnte nämlich schlicht und ergreifend mit 8 MB gar nichts anfangen. Nach dem Motto „da staunt der Spezialist und der Laie wundert sich“ wurde in der Amiga Community heiß und heftig die Frage diskutiert, warum ein im Grunde nutzloser Jumper eingebaut worden war. Antwort: Ursprünglich war der Jumper nicht allein vorgesehen gewesen, sondern gemeinsam mit einem neuen AAA-Chipsatz. Der hätte sich über 8 MB Chip-RAM gefreut und außerdem weit mehr Grafikmöglichkeiten geboten. Allerdings wurde dieser Chipsatz solange Commodore am Leben war niemals fertig. Der Jumper aber schon – und so bekam er seinen vorgesehenen Platz im Gehäuse des 4000 D.

Amiga 4000 T

Der 4000 T war der Beste aber auch der Letzte in der legendären Amiga-Reihe. Das Licht der Welt erblickte er im Jahre 1994, als der Abgesang auf Commodore schon zu hören war. Bis zum endgültigen Aus des Herstellers konnten lediglich knapp 200 Exemplare gefertigt und verkauft werden. Kurz nach der Pleite von Commodore schien die Flamme des Amiga noch mal aufleuchten zu wollen – geschürt von dem deutschen Computerhändler ESCOM.

Dafür wurde extra die Tochter Amiga Technologies gegründet, die den 4000 T auch wieder produzierte und dafür auch ehemalige Mitarbeiter von Commodore einstellte. Doch die Kassen und Konten von ESCOM waren nicht gut genug gefüllt, um notwendige Weiterentwicklungen voran treiben zu können. So landete schon bald nach Commodore auch ESCOM im Sumpf der Pleite und so war das Aufflackern der Hoffnung für den Amiga 4000 T nur von kurzer Dauer.

Doch schauen wir uns den Amiga 4000 T mal etwas genauer an. Von außen betrachtet entsteht der Eindruck, dass man es hier mit einem ganz normalen 4000er zu tun hat, der lediglich in einem Tower gelandet ist. Das T im Modellnamen untermauert diesen Eindruck auch noch. Doch der Blick in den Tower hinein offenbart, dass wir es hier offenbar mit einem Computer zu tun haben, der sich technisch mit etlichen Details vom normalen 4000er unterscheidet. Er hat natürlich alles auf Lager, was durch den 4000er Standard geworden war, wozu natürlich auch der seinerzeit noch recht neue AGA-Chipsatz gehört. Die für Expansion erforderlichen Slots sind jedoch nicht mir auf dem Daughterboard zu finden. Stattdessen haben sie ihren Platz auf der Hauptplatine gefunden. Fast alle externen Anschlüsse haben hier eigene Karten, deren Verbindung mit dem Mainboard per Kabel hergestellt wird. Nur beim Tastaturanschluss wurde diese Änderung nicht vorgenommen. Das Netzteil ist auch ein anderes als in den üblichen 4000ern und ähnelt mehr dem eines PC. Zumindest PC kompatibel sind auch sämtliche Stromanschlüsse auf dem Mainboard, auf dem übrigens auch das Chip RAM aufgelötet ist. Lautsprecher sind im Amiga 4000 T  übrigens auch eingebaut.

Zum charakterisieren des Amiga 4000 T bietet sich eindeutig und zwangsläufig der Begriff Multimedia-Computer an. Damit setzte er 1994 natürlich jene Tradition fort, die nur neun Jahre zuvor mit dem ersten Amiga 1000 für großes Aufsehen sorgte. Gleichzeitig beendete er sie leider auch. Dabei konnten User mit ihm nicht nur Text, Sprache, Musik, Grafik und Video produzieren oder bearbeiten – das konnte ander inzwischen auch. Aber seine Fähigkeit, die verschiedenen medialen Bereiche zu umfassenden und vielschichtigen Präsentationen verknüpfen zu können, war noch mal etwas ganz Neues. Damit beendete Commodore, diese höchst innovative Computerschmiede, ihre Existenz groteskerweise mit einem absoluten Spitzencomputer. Tolle Produkte schützen offenbar vor der Pleite nicht.

Und Heute?

Nun, Commodore gibt es nicht mehr und auch Amiga scheint Geschichte zu sein, allerdings technisch eine glanzvolle. Daher ist diese Geschichte tatsächlich auch noch nicht ganz und gar zu ende. Das trifft u. a. auch auf das Modell 4000 zu, an dem eingeschworene Fans noch immer ihre Freude haben.  Das muss nicht einmal rein nostalgisch zu verstehen sein. Vielmehr sind innerhalb der Amiga Community Leute im wahrsten Sinne des Wortes „am Werk“, um Teile für dieses Modell zu produzieren. Aber keineswegs als reines Remake, sondern in Form neuartiger Teile.

Gut, das ist kein Wunder, denn diese Community ist traditionell bastelfreudig. Da wurde schon von Beginn an versucht, mit allerlei Tricks noch mehr aus den Amiga-Modellen heraus zu kitzeln, was häufig auch gelang. Daher verwundert es keineswegs, dass einer dieser kompromisslosen Freaks für den 4000er ein neues Mainboard ausgebrütet hat. Gemeint ist Paul Rezendes, der das Projekt auf der Basis von Crowdfunding realisierte. Um dem originalen Mainboard mit vier Lagen auf die Schliche zu kommen, nahm er es zunächst auseinander. Dabei kam er zu dem Schluss, dass manche der Leiterbahnen nicht besonders sinnvoll platziert waren. Seine Lösung dafür war ein Mainboard mit sechs Lagen. Mal schauen, was noch alles kommen wird.

Amiga CD32

Im Jahre 1993 wollte Commodore mit dem Amiga CD32 den Weg, der mit dem CDTV eingeschlagen worden war, erneut betreten. Allerdings wurde mit diesem Gerät kein so unklarer Mix aus Heimrechner, Videospielgerät und HiFi-Player präsentiert. Stattdessen kam das CD32 als echte Spielkonsole daher.

Das Teil weckte auch großes Interesse in den Fach- und Userkreisen und hätte daher am Markt durchaus erfolgreich sein können. Leider konnte Commodore aufgrund der inzwischen gravierenden Finanzprobleme nicht mehr genug dieser Geräte produzieren um die sich rasant entwickelnde Nachfrage zu befriedigen. Erschwerend kam noch hinzu, dass die Konsole auf dem US-Markt wegen eines Lizenzstreites nicht verkauft werden durfte.

Amiga cd32

Problemfeld 3D-Grafik

Die Bezeichnung CD32 deutet darauf hin, dass es sich hierbei um ein Gerät auf 32-Bit-Baisis handelte. Für eine Konsole dieser Art war das damals durchaus was Neues. Andere 32-Bit Konsolen kamen erst lange danach auf den Markt. Hinsichtlich Hardware diente dem CD32 der  nicht mehr ganz taufrische Amiga 1200  als Basis – allerdings abgespeckt sowie modifiziert für die Ansprüche einer Spielkonsole.

So war im CD32 der aus dem Amiga 1200 bekannte Systemcontroller Gayle nicht mehr zu finden. Stattdessen hatte die Konsole mit dem neu entwickelten Baustein Akiko einen eigenen Custom-Chip. Unter dessen zahlreichen Aufgaben waren zwei besonders wichtig. So sollte er zum einen für die Vereinfachung von PC-Konvertierungen sorgen und zum anderen 3D-Grafik einigermaßen schnell möglich machen.

3D-Grafik war (und ist) allgemein recht aufwendig. Auf Amiga-Geräten einschließlich dem CD32 aber war deren Entwicklung und Darstellung eine besondere Herausforderung für die User. Das lag an der hier üblichen Modifizierung der Bildspeicher bzw. Framebuffer. Die arbeiteten nämlich im Bitplane Modus. In diesem musste jedes Pixel eines Bildes einzeln platziert werden, um 3D-Grafiken  darzustellen.

Die verschiedenen Pixel mit je einem Bit befanden sich jedoch auf verschiedenen Planes – daher der Name Bitplane-Modus. Der Zugriff auf die vielen notwendigen Pixel dauerte daher verhältnismäßig lange. Das Arbeiten im konkurrierenden Chunky-Modus, der sich übrigens schließlich allgemein durchsetzte, ging weit einfacher und  schneller, denn hier standen die Pixel mit ihrem jeweiligen Schwanz aus verschiedenen Bits direkter zur Verfügung. Man musste also nicht auf verschiedenen Ebenen mühsam nach ihnen suchen.

Nun hatte sich ja gezeigt, dass die Gamer Community unbedingt 3D-Grafik haben wollte. So mussten sich die Entwickler von Commodore zumindest beim CD32 was einfallen lassen, damit der Aufbau der Grafiken sich nicht in Slow Motion vollzog. Was dann nach dem entsprechenden Denkprozess herauskam, war die sogenannte Chunky-to-Planar-Konvertierung. Trickreich wurde zunächst die 3D-Grafik mit Hilfe eines Chunky-Framebuffers berechnet und anschließend in einen Bitplane-Framebuffer verwandelt. Hierin lag eine der wichtigsten Aufgaben des Akiko-Chips.

Nicht so richtig zum Zuge gekommen

Allerdings kam der Akiko-Chip in dieser Hinsicht gar nicht so richtig zum Zuge, denn es gab kaum 3D-Spiele und die Hersteller hatten es mit der Entwicklung neuer Exemplare alles andere als eilig. Wahrscheinlich scheuten sie das wirtschaftliche Risiko und daher mussten sich die spielfreudigen User mit alten Hüten begnügen, die lediglich ein wenig aufgepeppt worden waren. Das hatte zur Folge, dass das Interesse an der an sich guten neuen Konsole nach der Starteuphorie mit heftig sprudelnden Verkaufszahlen allmählich wieder abflaute.

Amiga CD32 mit Spielen

Im übrigen war der Prozessor 68EC020 mit seiner Taktung von nur gut 14 Mhz nicht schnell genug für die technisch anspruchsvollen 3D-Spiele. Allerdings war eine Aufrüstung per Turbokarte möglich. Da auch die für das CD32 vorgesehenen PC-Konvertierungen nicht zur Verfügungen standen, kam der neue Custom Chip auch in dieser Hinsicht nie zum Zuge. Am Ende konnte er niemals zeigen, was wirklich in ihm steckte. Übrigens war Commodore mit der Implementierung des neuen Akiko-Chips abgekommen von der bekannten Drei-Chip-Struktur.

Amiga CD32 Board

Diese war nun zu einer Vier-Chip-Struktur mutiert, denn neben dem Neuen namens Akiko erfüllten nämlich Alice, Lisa und Paula  auch im CD32 weiterhin ihre unverzichtbaren Aufgaben. Dabei spielte Paula in Sachen Custom-Chip die Rolle des Urgesteins, denn sie war die Einzige, die aus den Zeiten des Amiga 1000 übrig geblieben war und das auch noch ohne jede Veränderung.

CD statt Diskette – aber nicht ganz

Im Hinblick auf den sich abzeichnenden Vormarsch der CD in Sachen Software bekam das das CD32 natürlich auch ein entsprechendes Laufwerk verpasst, das in zwei Geschwindigkeiten laufen konnte. Des weiteren war es in der Lage, die Formate ISO9660, CD+G  sowie Audio CD zu verdauen. Um letztere abspielen zu können, war beim CD32 auch noch ein kompletter CD-Spieler mit an Bord. Auch das Verwenden der alten CDs aus den Tagen des CDTV war ohne Einschränkungen möglich und das Booten von CDs funktionierte wie geschmiert und schneller als beim 1200er von der Diskette.

Nun erwarten User von einer Spielkonsole, dass sie in der Lage ist, die Spielstände zu speichern. Diesen Erwartungen kam das CD32 in Form von 1 KByte Flash-ROM entgegen. Über das Menü konnten die Spielstände auch wieder gelöscht werden. Hier lag jedoch eine der Schwächen des CD32, denn 1 Kbyte war auch in jenen Tagen fast gar nichts, zumal viele Gamer Spielstände gern für längere Zeit wenn nicht gar für immer speichern. Dummerweise war eine Erweiterung hier nicht möglich. Also fing die Trickserei an und zwar mit Hilfe eines externen Diskettenlaufwerks. Des weiteren war ein Programm erforderlich, um ein Assign auf der Diskette zu platzieren. Damit ausgestattet wurden dann die Spielstände nicht mehr auf dem Minispeicher, sondern auf der Diskette notiert.

Ganz ohne Erweiterungen geht es nicht

Nun waren Amiga-Geräte ohne Erweiterungsmöglichkeiten undenkbar – so etwas gehörte quasi zu ihrem Wesen seit den Tagen des 1000ers. Auch das CD32 sollte in dieser Hinsicht keine Ausnahme darstellen, obwohl sie bei diesem Modell einen eher sparsamen Eindruck machten. So wurde Usern also die Möglichkeit eingeräumt, die Konsole über eine Schnittstelle auf der Rückseite in einen umfassenden Amiga-Computer zu verwandeln. Alternativ konnte der Anschluss auch zur Erweiterung in Richtung Video-Player verwendet werden. Damit konnten die damals gebräuchlichen Video-CDs – das sind die Vorläufer der heutigen DVDs – abgespielt werden. D. h., mit Hilfe des CD32 konnten User sich bereits ganz Spielfilme plus Sound in Hi Fi Qualität genehmigen. Leider war es aber nicht möglich, die vom Amiga 1200 bekannten Erweiterungen zu verwenden, obwohl dieser Computer technisch die Basis des CD32 bildete.

Erweiterungen von anderen Herstellern

Interessanterweise wurden auch von anderen Herstellern von Beginn an bis in die heutige Zeit Erweiterungen für das CD32 entwickelt. Da gibt es z. B. eine Erweiterung von Elsat.

Im Gegensatz zu anderen Erweiterungen wird diese unter dem CD32 platziert. Mit ihr konnten der Konsole eine Festplatte, ein Floppylaufwerk sowie ein weiterer Floppyanschluss spendiert werden. Des weiteren gab es eine beliebte Erweiterung, die sich „Eureka Communicator“ nannte. Diese Hardware wurde an den Tastaturport angeschlossen und die User bekamen damit zwei Midi Ein- und Ausgänge sowie einen seriellen Port.

Keine Erweiterung im eigentlichen Sinn, sondern eine andere Konfiguration des CD32 Gab es in Gestalt des sogenannten CD32 Towers – ausgebrütet von der Firma Eagle. Es handelte sich dabei um einen Minitower zur Unterbringung von Laufwerken, dem Netzteil und weiteren Peripherie-Details. Oben drauf kam dann die Konsole, die per Flachbandkabel mit dem Tower verbunden wurde. Ein interessanter Ansatz, der jedoch nie zu einem serienmäßig produzierten Gerät führte. Übrigens gehörte Eagle zu jenen Firmen, die nach der Pleite von Commodore auch recht gern die Amiga-Geräte weiter produziert hätten.

Wirtschaftlich kein Fiasko

Die Chancen für den Erfolg dieser Konsole wären übrigens recht gut gewesen. Zum einen war der Preis mit 700 DM nur halb so hoch wie der für das CDTV. Zum anderen wurde es anders als das Vorläufermodell nicht nur von den Home-Usern, sondern auch von den Fachmedien positiv begrüßt. Unglücklicherweise kam das CD32 in einer Zeit heraus, als für Commodore schon die Pleiteglocken zu läuten begannen. Das lag jedoch nicht an der Konsole, die im Unterschied zum CDTV alles andere als ein  Fiasko war. Ganz im Gegenteil, die Startmarge von 100.000 Exemplaren ging innerhalb von nur sechs Wochen über den Ladentisch. Die Nachfrage nach dem Gerät war übrigens weit größer und Commodore hätte diese liebend gern vom Start weg befriedigt. Doch für eine größere Marge fehlte bereits die finanzielle Basis.

Die aus den Startverkäufen in die Kassen fließenden Einnahmen wurden obendrein zunächst erst einmal vom Schuldendienst geschluckt und so dauerte es ewig lange, bis Geld vorhanden war um weitere CD32-Geräte herzustellen. Zu lange, um vielleicht mit diesem Gerät die Pleite noch  abzuwenden. Das wäre eventuell möglich gewesen, wenn Commodore die nächsten 100.000 Stück innerhalb eines Monats auf den Markt hätte werfen können um damit z. B. im Weihnachtsgeschäft des Jahres 1993 zu punkten. Das Interesse des Marktes war also vorhanden und daher ist es ungerechtfertigt, wenn aus heutiger Perspektive bezüglich des CD32 von einem Flop oder dem Scheitern der Konsole gesprochen wird.

Das CD32 in der heutigen Zeit

Amiga-Computer waren trotz mancher unklarer und kurioser Details allesamt Geräte mit einer jeweils besonderen Charakteristik. Das hat sie unsterblich gemacht und dafür gesorgt, dass sie auch heute noch von zahllosen Usern liebevoll gepflegt und mit  neuen Komponenten am Laufen gehalten werden. Das trifft selbstverständlich auch auf das CD32 zu, das wie alle anderen Amiga-Geräte über eine eigene Fan-Community verfügt. Diese befasst sich einerseits damit, alle nur möglichen Informationen über die Konsole zu sammeln und zu archivieren. Andererseits Andererseits werden aber Hardware-Teile oder Software getauscht.Auch die Herstellung von Ersatzteilen spielt eine wachsende Rolle, weil manche originalen Komponenten ja doch allmählich den Geist aufgeben. Eine gewisse Bastel- und Tuningleidenschaft gehört halt dazu, wenn man sein liebgewonnenes CD32 in alter Frische und mit neuem Elan laufen lassen will.

Der Amiga 500

Der Amiga 500 hat eine relativ kurze aber sehr imposante Geschichte hinter sich. Nach dem Riesenerfolg von Commodore mit dem C64, der endlich Heimcomputer in den 80er Jahren in die Jugendzimmer brachte und das Verhalten von Millionen Jugendlichen nachhaltig veränderte, gelang dem Unternehmen mit dem Amiga 500 eine Steigerung, die mehr als eine bloße Erfolgsstory darstellt. Der Amiga 500 ist der wohl beliebteste und meistverkaufte Heimcomputer aller Zeiten und war in den ausgehenden 80er Jahren als Volkscomputer beliebter als jedes andere vergleichbare Produkt.

Der Amiga 500

Mit unserem heutigen Wissen über die Computer und vor allem das Internet erscheint der Amiga 500 eher ein kleiner Baustein im monumentalen Gebilde, das heute die Welt zu regieren scheint. Damals jedoch war der Amiga 500 ein Meilenstein, der bahnbrechende Technologie verwendete, die teilweise heute noch in seinen Nachfolgern zu finden ist. Zwar sieht das nur der Kenner auf den ersten Blick, aber die Technik ist da und der Amiga 500 war ein sehr beliebtes und erfolgreiches Produkt, das sich hier einen Namen machen konnte. Commodore war auf seinem Höhepunkt angelangt. In den folgenden Jahren sollte sich zeigen, dass dieser Erfolg nicht mehr wiederholt werden konnte und das Unternehmen schließlich im Nichts verschwand.

Der Amiga 500 überzeugte in Bild- und Tonqualität und war den anderen PCs der damaligen Zeit in diesen Punkten überlegen. Als erschwinglicher Heimcomputer wurde er schnell in den Jugendzimmern zum Spielecomputer umfunktioniert. Die Vielfalt an erhältlichen Spielen war enorm und die Raubkopien, die auf den Schulhöfen weitergereicht wurden, verursachten Commodore wie zuvor beim C64 große Schwierigkeiten. Die Beliebtheit des Computers konnte all dies aber keinen Abbruch tun.

Die technischen Details des Amiga 500

Der Prozessor des Amiga 500 war eine mit 7,09 MHz getaktete Motorola 68000-CPU, die einen Arbeitsspeicher von 512 KByte verfügbar machte. Mit Hilfe von Erweiterungen konnten insgesamt 9 MB Arbeitsspeicher hergestellt werden. Das unternehmenseigene Betriebssystem AmigaOS in der Version 1.2 rüstete den PC in den ersten beiden Erscheinungsjahren aus, danach wurde die 1-3-Version aufgespielt.

Amiga500 Platine / Stockfoto- Nummer: 1044243595 by Andifo

Die Tonausgabe funktionierte im Stereoton und wurde durch 2 8-Bit-PCM-Kanäle realisiert. Der dafür zuständige Chip wurde von einer Tochterfirma von Commodore, der MOS Technology, hergestellt.

Der Amiga 500 besaß ein eigenes Netzteil und wurde über eine 5-polige Buchse mit dem Netzanteil an den Strom angeschlossen. Über den 23-poligen Sub-D-Stecker wurde ein RGB-Video-Signal abgegeben, welches dann mit dem Monitor synchronisiert werden konnte. Über die 23-polige Sub-D-Buchse dagegen lassen sich externe Diskettenlaufwerke anschließen.

Zwei 9-polige Sub-D-Stecker können Joysticks an den Amiga 500 anschließen, die natürlich gerade wenn es um das Spielen geht das wichtigste Instrument neben dem Diskettenlaufwerk waren.

Der Amiga 500 verfügte über keine eingebaute Festplatte, was bedeutete, dass Spiele nur über das Diskettenlaufwerk eingelesen werden konnten. In einigen Fällen mussten komplexe Spiele auf mehr als 10 Disketten verteilt nach und nach eingelesen werden, was vom Spieler immer wieder Unterbrechungen und Aktionen verlangte. Der Spielspaß wurde nachhaltig gehemmt, was aber damals in Ermangelung von echten technischen Alternativen niemanden wirklich störte.

Die Spielehits für den Amiga 500 verzauberten eine ganze Generation von Spielern

Wer zu den ersten im Jahre 1987 gehörte, der einen Amiga 500 sein Eigen nennen durfte, wurde zweifellos auch sofort mit den frühen Spielehits des PCs konfrontiert. „Defender Of The Crown“ ist ein Mittelalterspiel, das für die damalige Zeit eine unglaubliche Grafik anbot. Was heute als sehr verpixelt angesehen wird, war damals so erstaunlich, dass Spieler mit heruntergeklappter Kinnlade für Minuten vor dem Bildschirm saßen, ehe das Spiel überhaupt begann.

Defender of the Crown

Spielehersteller Cinemaware war für diesen Hit verantwortlich und brachte mit „The Three Stooges“, „King Of Chicago“ und „Sinbad And The Throne Of The Falcon“ weitere Spiele auf den Markt, die neue Maßstäbe setzen sollten. Der Amiga 500 flexte seine neuen Muskeln und die Herzen der Spieler schmolzen dahin. Ein Geheimtipp war „Fairy Tale Adventure“, ein Rollenspiel, das das Zeug mitbrachte Spieler für mehrere Tage und Nächte auf der Suche nach Schätzen und Feinden zu binden. Es kann legitimerweise davon gesprochen werden, dass hier der Gamer geboren wurde, der im Spielen seiner Spiele und dem Eintauchen in andere Welten den hauptsächlichen Sinn seines Daseins sieht.

Wer noch mehr Action benötigte griff zu „Barbarian“, das vom britischen Hersteller Psygnosis entwickelt wurde. Psygnosis sorgte für einige Hits auf dem Amiga 500 und wurde 1993 von Sony übernommen, um an einer weiteren legendären Gerätschaft mitzuwirken: der PlayStation.

Neben den neu für den Amiga entwickelten Spielen, gab es zahlreiche Portierungen von alten und erfolgreichen Spielen. Winter Games und Summer Games wurde aus den C64-Versionen weiterentwickelt. Es gibt allerdings viele C64-Anhänger, die immer noch schwören, dass die Versionen für den ursprünglichen Commodore besser waren. Amiga fuhr mit neuen Spielen, die für die damals herausragenden Möglichkeiten entwickelt wurden, meist besser.

„Test Drive“ war der Auftakt zu einer Reihe Autorennspiele, die die Fans des Genres begeisterten. Mit „Ports Of Call“ wurde ein deutsches Spiel ebenfalls zum Renner bei den Amigaspielen. Mit dem Shooter „Goldrunner“ gab es auch eine Portierung vom Atari hinüber zum Amiga 500.

Der Amiga 500 ging 1987 zu seinem Debüt mit einem Preis von 700 DM an den Start. Das war sicherlich ein nettes Sümmchen, aber die neue Leistungsfähigkeit überzeugte die Käufer restlos. Es war möglich den Computer für Textverarbeitung und kleine Tabellen zu nutzen, sodass die klassischen Büroarbeiten zu Hause erledigt werden konnten. Für die echte Berufswelt war der Amiga 2000 mit größeren Kapazitäten besser geeignet, aber der 500er machte seine Sache für kleine Aufgaben sehr solide. Im Gaming war der Amiga nicht zu schlagen Fließende Bewegungen auf dem Monitor und wenig Pixel in der Grafik waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich selten und Amiga machte vor, was es bedeutet eine ganze neue Dimension zu beschreiten. Mit „Defender Of The Crown“ und „Marble Madness“ waren auch gleich zwei Spiele geschaffen worden, die den Fans die Möglichkeiten des Amiga 500 aufzeigen sollten und den Computer von Beginn an durchsetzten.

Seine direkten Nachfolger, der Amiga 500 Plus und der Amiga 600, hatten nicht annähernd dein gleichen Erfolg, da beide Geräte einfach nicht genug Neuerungen aufweisen konnten, um den Amiga 500 von der Spitzenposition zu verdrängen. Sie hatten nur kleine Verbesserungen, da Commodore zu diesem Zeitpunkt bereits zu wenig in Innovation investierte und völlig auf der 500er Erfolgswelle schwamm. Das sollte sich mit einem bitteren Ende zum Schluss noch rächen.

Immer wenn es um die Spiele geht, muss auch das Thema Raubkopien angesprochen werden. In den 70er und 80er Jahren war es normal, dass Schallplatten auf eine Kassette überspielt wurden, damit die sensible Platte gar nicht so oft aufgelegt werden musste und möglichst Kratzer und andere Schäden vermieden werden können. Es blieb nicht bei diesen Sicherungskopien, die Bänder wurden verbreitet und so kam Musik praktisch kostenlos in große Verbreitung. Bei den Computerspielen war dieser Zeitgeist ebenfalls vorhanden. Schon beim C64 musste nur das Geld für eine Leerdiskette investiert werden und schon konnten 30 oder mehr Spiele übertragen werden. Beim Amiga 500 setzte sich das fort. Gerade auf den Schulhöfen fanden die Spiele eine rasant schnelle Verbreitung, was letztendlich aber auch zur Popularität des Geräts beitrug. Es bleibt zu diskutieren, ob die Raubkopien dem Gerät mehr nutzten oder schadeten, aber eine eindeutige Antwort lässt sich sicherlich nicht geben.

Das beste Zubehör für den Amiga 500

Um den Spielecomputer ideal nutzen zu können, musste natürlich eine gewisse Hardware besorgt werden, die den Spaß dann abrunden konnte. Da der Computer ursprünglich als Bürokraft entwickelt worden war, lag dem Gerät anfangs kein Joystick bei. Dieser Joystick war aber essentiell, um die immer komplexer werdenden Spiele gut spielen zu können. Tastaturbedienung dagegen konnte schon bald die Zusammenhänge nicht mehr leisten und war sehr kompliziert. Der Competition Pro wird in vielen Fachblättern als der ultimative Joystick für den Amiga bezeichnet und mit ihm ließen sich alle Spiele bestens bespielen.

Auch der 1084S war als Monitor auf den Amiga ausgelegt und brachte satte Farben ins Spiel. Hier konnte das Gerät mit den überragenden Grafikfähigkeiten prahlen und die Fans verzaubern. Dazu kam dann wahlweise ein Drucker, der aber als Spielecomputer keinen so großen Stellenwert besaß. Er war nur interessant, wenn tatsächlich auch Textverarbeitung durchgeführt werden sollte.

Der Amiga 500 hat sich den Legendenstatus wohl verdient

Der Heimcomputer Amiga 500 war vielleicht der Höhepunkt schlechthin des Heimcomputerzeitalters. In den 80er Jahren beherrschte er den Markt und konnte bis in die 90er Jahre hinein diese Position konsolidieren. Erst als die PCs und Spielekonsolen anderer Hersteller immer mehr aufholen konnten und den Amiga letztendlich überflügelten, musste das Gerät den Gang in die Mottenkiste antreten. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Heimcomputer Technologie eingeführt hat, die teilweise noch heute genutzt wird und richtungsweisend war.

Mit der unglaublichen Softwareproduktion, die für den Amiga 500 umgesetzt wurde, setzte sich endgültig das Prinzip „Software sells Hardware“ durch. Das Gerät erreichte besonders in Europa sensationelle Verkaufszahlen und litt dabei nicht wirklich unter den Raubkopien, die das Unternehmen zwar Millionen kosteten, aber die Popularität immer weiter steigerten. Für keinen weiteren Heimcomputer wurden im Rahmen seiner Blütezeit so viele Spiele entwickelt. Die Tatsache, dass es auch immer öfter vorkam, dass gleich in die Verpackung ein Spiel als Bundle-Angebot mit beigelegt wurde, zeigt, dass der Computer seine Bürobedeutung schnell verloren hatte und als erster reiner Gaming Heimcomputer den Markt erobern und beherrschen sollte.

Das Gerät begeisterte eine Spielergeneration und hat bis heute einen Stellenwert, der als sehr hoch einzuschätzen ist. Es werden immer noch Amiga-Treffen von Fans durchgeführt und Entwickler können aus dem Gerät bis heute immer wieder Erstaunliches herauskitzeln, unter Einsatz ganz neuer Technologie und Software. Die Amigaspiele und den dazugehörigen Heimcomputer zu sammeln ist ein Hobby für viele Kinder der 80er Jahre. Die meisten Spiele sind bei Ebay schon für ein paar Euro zu erstehen, sodass der Sammelspaß schnell Erfolge aufweisen kann. Bestimmte Klassiker, die aber zurückgezogen wurden oder indiziert wurden und daher seltener in ihrer Verbreitung sind, können hohe Preise erlangen. Die heutige Gaming-Szene mit Hochleistungs-PCs und Spielekonsolen auf allerhöchstem Niveau verdankt ihr Dasein auch dem Amiga 500, der uns dadurch immer in Erinnerung bleiben wird.

Der Amiga A1200

Beim Amiga 1200 handelt es sich um einen 32-Bit Heimcomputer aus den 1990er Jahren. Er ist das letzte Modell der Amiga-Reihe des US-amerikanischen Herstellers Commodore International aus dem Staat Pennsylvania, genauer West Chester. Als Teil der finalen dritten Amiga-Generation löste er seinen erfolglosen Vorgänger, den Amiga 600 ab. Dieser wiederum folgte auf den wesentlich beliebteren Amiga 500, dessen Produktion im Nachhinein betrachtet vorschnell eingestellt wurde, was enorme finanzielle Probleme für den Hersteller zur Folge hatte.

Der Amiga 1200 / Shutterstock Maria Sedova

 

Der Tastaturcomputer, was bedeutet, dass Tastatur und Computer im selben Gehäuse untergebracht sind, ist aus hellbeigem Kunststoff gefertigt und verfügt über eine grafische Benutzeroberfläche. Die Stromversorgung erfolgt über ein anschließbares externes Netzteil, welches über einen Netzschalter verfügt.

Die Tastatur entspricht dem US-amerikanischen Industriestandard der damaligen Zeit. Sie hat 96 Tasten, welche räumlich in vier Bereiche unterteilt sind. Zusätzlich zu der Haupttastatur (Buchstaben-Tasten, Satzzeichen, etc.), den Zahlentasten, den Pfeiltasten und den Funktionstasten gibt es zwei sogenannte Amiga-Tasten, welche der Menüauswahl dienen.

Oberhalb des nummerischen Ziffernblocks sitzen drei Kontrollanzeigen auf der Oberseite der Tastatur-Computer-Konstruktion. Bei ihnen handelt es sich um kleine LED-Lampen, welche Aufschluss über den Stromfluss, den Status des Diskettenlaufwerks und die Betriebsbereitschaft der internen Festplatte, sofern eine angeschlossen ist, geben.

Das Gehäuse unter der Tastatur, in welcher sich der eigentliche Computer befindet, ist rechteckig und misst 49 cm Breite x 24,5 cm Höhe x 7 cm Tiefe.

In ihr befindet sich unter anderem auch ein 3 ½ Zoll Diskettenlaufwerk.

Der Computer verfügt über einen 32-Bit Hauptprozessor, welcher mit 14 MHz (Megahertz) getaktet ist und zum Typ Motorola 68E020 gehört. Dieses CPU Modell ist eine Weiterentwicklung des Motorola 68020 von 1984.
Der Arbeitsspeicher, beziehungsweise RAM-Speicher (random access memory), ist 2 MB groß und der Festplattenspeicher, auch ROM-Speicher (read only memory) genannt, auf dem Daten langfristig abgespeichert werden können, auch wenn der Computer ausgeschaltet wird, bietet 550 KB (oder erweitert bis zu 880 KB) Speicherplatz. Zum Vergleich: Ein heutiger iMac, ein bekannter Homecomputer der Marke Apple Inc. und Nachfolger des Apple-Macintosh, verfügt über einen Prozessor mit durchschnittlich 3 GHz (Gigahertz) Arbeitsleistung, 8 GB (Gigabyte) Arbeitsspeicher und bis zu 1 TB (Terrabyte) Festplattenspeicherplatz.

Der Amiga 1200 hat zudem eine externe PCMCIA-Schnittstelle (PC Memory-Card International Association Schnittstelle) und eine für den AT-DIE-Pfostenstecker zum optionalen Anschluss einer weiteren internen Festplatte von 2 ½ Zoll Größe. So kann der ursprünglich vorhandene Speicherplatz zusätzlich erweitert werden.

Auf der Rückseite des beigen Gehäuses befinden sich diverse Anschlussstellen für die Stecker weiterer externer Geräte, wie zum Beispiel einer Maus oder einem Joystick.

Als besonders herausragendes Merkmal des Amiga 1200 Modells gilt der eingebaute AGA-Chipsatz (Advanced Graphics Architecture Chipsatz), welcher in Deutschland unter dem Namen AA-Chipsatz bekannt ist, da der Name AGA hier bereits für die sogenannte AA-Grafikkarte vergeben war. Erstmals war dieser im Modell Amiga 4000 zu finden, welcher ebenfalls Ende 1992 auf dem Markt erschien und eine Weiterentwicklung des Amiga 3000 war. Es handelt sich dabei um ein System aus mehreren kooperativen Prozessoren, welche die Aufgabe haben, den Hauptprozessor zu entlasten. Unter anderem sind diese Koprozessoren verantwortlich für das Videosignal, die Tonausgabe und die Speicherverwaltung. Dieses System führt zu einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsgeschwindigkeit und der grafischen Leistungen, für welche der Amiga 1200 damals bekannt war. Zu diesem Chipsatz gehören der Grafikprozessor Lisa, der Custom-Chip Alice und der Soundchip Paula.

Der Grafikprozessor Lisa verfügt bei gleichem Volumen, wie sein Vorgänger Denise, welcher ganze 7 Jahre lang in verschieden Computern von Commodore International verbaut wurde, über 300.000 Transistoren mehr. Zudem hat auch er einen 32 Bit breiten Datenbus. Dies macht ihn deutlich leistungsfähiger, als den vorigen. Mit seinem 24-Bit Farbraum kann er mindestens 256 Farben zur selben Zeit auf der Bildschirmfläche anzeigen und unterstützt ganze 6 Standard Grafikmodi mit verschiedener Auflösung und variierender Bildwiederholfrequenz. Je nach gewähltem Modus kann eine Auflösung von mehr als 1200 Pixeln erreicht werden, was Echtfarben außergewöhnlich nahekommt. Diese sechs Modi werden SuperHiRes, SuperHiRes Interlace, HiRes, HiRes Interlace, LowRes und LowRes Interlace (von der höchsten Leistung abwärts sortiert) genannt.

Der Custom-Chip Alice, dessen offizieller Name MOS Technology 8374 ist, stellt ebenfalls eine enorme Verbesserung gegenüber seinem Vorgänger, dem Custom-Chip Agnus, dar. Er ist ideal für den verbauten 32-Bit Prozessor konzipiert und beinhaltet zwei weitere Koprozessoren, den Blitter und den Copper. Letzterer verfügt über eigene Programme, die Copperlisten, mit welchen er arbeitet, um bei jedem Bildaufbau eines Standbildes dieselben Speicherbereiche darzustellen. Der Alice-Chip sorgt so für einen schnellen Bildaufbau und ermöglicht das schnelle Verschieben von Festplatteninhalten von einem Speicherort zu einem anderen.

Der digitale Soundchip Paula stellt insofern eine Ausnahme zu den anderen Teilen des AGA-Chipsatzes dar, als er seit 1985 designtechnisch mehr oder weniger unverändert geblieben ist, was wohl an seiner vermeintlichen Bewährtheit liegt. Er verfügt über vier 8-Bit Stereokanäle, welche jeweils einen eigenen Soundkanal haben und durch sie Töne an die externen Lautsprecher transportieren. Als weitere Aufgabe übernimmt der Soundchip die Ansteuerung angeschlossener externer Geräte und Diskettenlaufwerke. Nach Veröffentlichung des Amiga 1200 sollte die Leistung dieses Soundchips jedoch einen der wenigen negativen Kritikpunkte darstellen.

Der Computer Amiga 1200 läuft mit dem eigenen Betriebssystem des Unternehmens Commodore International. Passend zu den Namen der mit ihm betriebenen Computer, heißt dieses AmigaOS und bewährte sich bereits in den vorigen Amiga Modellen.
Es ist aus verschiedenen Modulen aufgebaut. Beispiele hierfür sind die Amiga Workbench (die Grafische Benutzeroberfläche) und der Kickstart. Letzterer enthält unter anderem den Betriebssystemkern Exec, den Kommandozeileninterpreter Shell (in den ersten Jahren hieß dieser noch CLI) und die zentralen Systembibliotheken für die GUI, was die Abkürzung für graphical user interface ist.

Für das Computermodell Amiga 1200 wurde eine neue Version des Betriebssystems eingeführt: AmigaOS 3.0. Diese brachte zum Beispiel zusätzliche Mauspfeil-Bedienelemente, eine Überarbeitung des Bootmenüs, die Einführung vom Hypertextformat Multiview und einer 3-dimensionalen Menüleiste mit sich.

Ein weiteres Update, mit dem Namen AmigaOS 3.1, wurde 1994 veröffentlicht und machte den Computer unteranderem CD-ROM-Laufwerk kompatibel.

1992 floppte das Vorgänger Modell Amiga 600 aufgrund technischer Designfehler, woraufhin der damalige Entwicklungsabteilungsleiter Bill Sydnes entlassen wurde und ein neues, verbessertes Modell geplant wurde – der Amiga 1200.
Veröffentlicht wurde dieses bereits im Oktober 1992. Der Markteinführungspreis betrug in den USA 599 US$, was ca. 540 € entspricht. In Deutschland lag die UVP (unverbindliche Preisempfehlung) für die Verkaufspreise der Einzelhändler hingegen bei 899 DM (deutsche Mark), was umgerechnet nur rund 460 € sind.

Ein großes Problem stellte zu Beginn dar, dass Commodore International durch den Flop des Modells Amiga 600 finanziell sehr schlecht aufgestellt war. Dies führte dazu, dass die Herstellung des AGA-Chipsatzes extern erfolgen musste, was von dem Unternehmen Hewlett Packard übernommen wurde. Dieses lieferte jedoch bis zum Winter 1992 nur 100.000 Chipsätze, obwohl doppelt so viele Vorbestellungen, vor allem aus dem Westen Europas, für den Rechner eingegangen waren. So erhielt das Unternehmen enttäuschender Weise nur die Hälfte des eingeplanten Startumsatzes und verärgerte dabei zunächst diverse Kunden, die entweder kein Exemplar erhielten oder erst mit deutlicher Verspätung.

Da der Computer jedoch gute Kritiken erhielt, konnten die Verkaufszahlen Mitte 1993 trotzdem die des früheren Erfolgsmodells Amiga 500 erstmalig übersteigen. Bis zum folgenden Jahr konnten insgesamt 95.500 Amiga 1200 Computer allein in Deutschland an Kunden verkauft werden.

Bis zum Frühling des Jahres 1994 schaffte dieses Modell es bezüglich der Marktanteile sogar auf den 2. Platz in ganz Europa. Gefolgt wurde es vom Apple-Macintosh. Mit Abstand führend blieben jedoch Computermodelle, welche mit MS-DOS (Microsoft Disk Operating System), dem ersten Betriebssystem der Firma Microsoft, kompatibel waren.
Trotz des langsam kommenden Erfolges, musste der Hersteller Commodore International im Monat April 1994 seinen Konkurs verkünden, was die Konsequenz nach sich zog, dass die Produktion des Amiga 1200 bis auf Weiteres komplett eingestellt werden musste.

Im Mai des folgenden Jahres nahm das in Deutschland angesiedelte Unternehmen Amiga Technologies die Herstellung des Amiga Computermodells jedoch wieder auf. Um eine erneute Enttäuschung zu Beginn des Verkaufes auszuschließen, wurde die Neuauflage massiv in der damals schon weit verbreiteten Fastfood-Restaurant-Kette McDonald´s beworben.
Dennoch wurden die optimistischen, von Amiga Technologies selbst gestellten Prognosen zu den Verkäufen im Startjahr bei Weitem unterschritten. Je nach Quelle konnten so im Jahre 1995 nur ca. 20.000 bis maximal 40.000 Exemplare auf dem westeuropäischen Markt verkauft werden.

Hinzu kam die enorme Konkurrenz durch die mit Windows 3.0 und über eine VGA Grafikkarte verfügenden MS-DOS Computer. Diese verfügten über eine wesentlich höhere Nachfrage durch und Beliebtheit bei Kunden und waren bezüglich grafischer Leistung inzwischen mindestens gleichwertig mit dem Amiga 1200. Dies führte dazu, dass Entwickler zunehmend nur noch Programme und inzwischen auch Spiele für Microsoft Computermodelle schrieben und der Amiga mehr und mehr unattraktiver für den Heimgebrauch wurde.

Die endgültige Einstellung der Produktion des Amiga 1200 erfolgte im Juli 1996. Zu dieser Zeit musste das Unternehmen Escom, von welcher Amiga Technologies eine Tochterfirma war, Insolvenz anmelden.

Obwohl die Veröffentlichung des Computers Amiga 1200 kurzfristig einen dringend gebrauchten Aufschwung für ihren ursprünglichen Hersteller Commodore International bedeutete konnte er sich letztendlich nicht gegen die gewaltige Konkurrenz der MS-DOS kompatiblen Computer durchsetzen. Sein Erfolg war dabei im westlichen Europa deutlich größer, als im ursprünglichen Herstellungsland, den Vereinigten Staaten von Amerika.

Das Computermodell erhielt überwiegend positive Kritiken und wurde als bestes und erfolgreichstes Modell seines Produzenten bezeichnet.

Besonders hervorgehoben wurde dabei die fortschrittliche grafische Leistung durch den AGA-Chipsatz und die gesteigerte Geschwindigkeit durch den 32-Bit Prozessor.

Negativ fiel jedoch die Soundqualität des veralteten Soundchips auf.

Durch sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis war der Rechner insbesondere attraktiv für den privaten Gebrauch und zudem äußerst massentauglich.

Trotz der überwiegend gelobten Eigenschaften des Amiga 1200, schaffte er es als Heimcomputer nicht an die Spitze der Rangliste. Wirklich erfolgreich war er jedoch im Bereich der Videoverarbeitung.

Dem Modell mangelte es keinesfalls an Nachfrage, durchsetzen konnte es sich jedoch nicht.

Zwar wird der Rechner seit 1996 nicht mehr produziert, gelangt heutzutage aber in der sogenannten Retrocomputing-Szene zu neuer Beliebtheit. So wird auch die Produktion neuer Programme und Hardware-Erweiterungen für den Amiga 1200 teils wieder aufgenommen.

Auch die Weiterentwicklung des Betriebssystems AmigaOS wird seit der Insolvenz des ursprünglichen Anbieters von Dritten fortgeführt.

Ebenfalls immer noch interessant ist der Tastaturcomputer, auf Grund seiner außergewöhnlichen Architektur und seiner fortschrittlichen Module, für Bastler und Sammler. Besonderes Interesse zeigen diese dabei für den eingebauten Uhrenport. War dieser damals für den Anschluss einer batteriebetriebenen Uhr oder einer Speichererweiterung geplant, wurde inzwischen entdeckt, dass er auch für USB, ISBN und Controller genutzt werden kann, um nur einige Beispiele zu nennen.
Auf der digitalen Marktplattform Ebay wird das Amiga 1200 Modell für ca. 500 € bis 1000 € angeboten, was den damaligen Neupreis weit übersteigt.