Amiga 4000

Nachdem der Amiga 3000+ kurz vor der Marktreife eingeschläfert worden war, warf sich Commodore mit Elan auf die Entwicklung des Amiga 4000. Er wurde im Jahre 1992 der sehnsüchtig wartenden Amiga-Community vorgestellt und zeigte noch einmal allen, was Commodore in Sachen Farbenpracht auf den Monitor zauber konnte. Mit dem besonderen Amiga 4000 T wurde der „normale“ 4000er noch getoppt. Das Ende der legendären Computerschmiede aus West Chester  konnte dieses Leuchtturmmodell jedoch auch nicht mehr abwenden.

Voll in Farbe

Sowohl Menge wie Qualität der Farben war ja schon immer ein zentrales Thema bei Commodore gewesen, was mit dem Amiga 1000 bereits eindrücklich vorgeführt worden war. Der Amiga 4000 zeigte, dass in dieser Hinsicht noch viel mehr geht. Dafür sorgte der neue AGA-Chipsatz, der ja bereits im letzten Versuchsmodell des Amiga 3000 + erfolgreich und zur großen Zufriedenheit der Entwickler ausprobiert worden war. Dieser Chipsatz ermöglichte es,  256 Farben in allen Abstufungen aus einer Palette von 16,7 Millionen zu generieren. Komplettiert wurde diese neue Farbenqualität  durch eine Vielzahl neuer Auflösungen und Bildwiederholfrequenzen.

Selbstverständlich sind das winzigste Feinheiten, deren Unterschiede und Vielfalt das menschliche Auge im einzelnen Vergleich gar nicht wahrnehmen kann. Hinsichtlich Brillanz und Farbdynamik hat das aber schon seine Auswirkungen auf die Qualität des Gesamtbildes. Um ein solches Gesamtbild erreichen zu können musste aber die

Amiga 4000 Platine

256 Farben-Workbench in 1024 x 768 Pixeln auch rüber gebracht werden. Dazu waren zum einen entsprechende Monitore erforderlich. Aber auch die Schnelligkeit des technischen Systems musste entsprechende Steigerungen erfahren. In dieser Hinsicht wirkten sich natürlich die neuen AGA-Chips, die jetzt Alice und Lisa hießen während Denis geblieben war,  schon beschleunigend aus. Allerdings war diese Steigerung in Sachen Geschwindigkeit nur möglich, weil jetzt auch eine Chip-RAM Breite von 32 Bit für den Zugriff zur Verfügung stand. Der neue Chipsatz allein hätte nämlich kaum was gebracht, wenn es hier bei 16 Bit geblieben wäre. Eine höhere Taktung im Vergleich zu früheren Amiga-Modellen war eine weitere Zutat für verhältnismäßig hohe Geschwindigkeiten.

Mit neuem Betriebssystem

Als Betriebssystem bekam der 4000er zunächst höchst exklusiv die neue Version AmigaOS 3.0 verpasst. Damit konnte kein anderer Amiga-Rechner etwas anfangen. So richtig gut fanden die Entwickler und Manager von Commodore diese Idee im nach hinein wohl doch nicht, denn die Version 3.1 konnte dann wieder für alle Amigas verwendet werden. Das neue Betriebssystem machte sich übrigens ganz gut –  insbesondere in Sachen Stabilität. Die Häufigkeit von Systemabstürzen nahm damit spürbar ab. Des weiteren gab es neue Voreinsteller Programme, bessere Unterstützung von Grafigkarten sowie ein neues Early Startup Menü. Veränderungen zeigten sich des weiteren bei der  workbench.library, die sich nicht mehr im ROM befand, sondern auf der Festplatte gelandet war. Grund dafür war der knappe Platz im ROM, von dem sich schon die Treibercodes für SCSI-Controller und IDE großzügig bedienten.  Des weiteren hatte der 4000er  2MB Chip- und 4MB Fast-RAM.

Hin und Her in Sachen Prozessor

Hinsichtlich Prozessor zeigte sich mal wieder jene Unentschlossenheit, die neben der Innovationsfreude auch ein typisches Merkmal von Commodore gewesen war. So kam 1992 der Amiga 4000 neu und frisch mit einem MC68040 Prozessor auf die Welt, der eine Frequenz von 25 Mhz und intern von 50 Mhz. mit brachte. Doch bereits ein Jahr später erfolgte ein kleiner Schritt zurück zum bekannten MC68030 Prozessor mit 25 Mhz. Taktung. Zur Unterscheidung wurde dieses Modell Amiga 4000/030 genannt. Allgemein wurde das Modell als Sparversion betrachtet, um auch Interessenten mit schmalerem Geldbeutel die Kauf eines neuen Amiga zu ermöglichen.

Es gab aber noch eine Begründung und die hing mit dem Ort zusammen, an dem der Prozessor sich befand. Genau wie beim 3000er war das nämlich eine eigene Steckkarte, standardmäßig die A3640. Der Vorteil war, dass User damit die Chance hatten, den technischen Fortschritt in Sachen Prozessor zu nutzen, falls der sich einstellen sollte. Da hätte dann einfach nur die Steckkarte ausgetauscht werden müssen. Gut und schön – das aber führte dazu, dass der Prozessor nur relativ langsam auf den Hauptspeicher zugreifen konnte, der sich im Mainboard befand. Mit der A3630 und dem darauf befindlichen Prozessor MC68030 ergab sich dieses Problem aber nicht, weil diese Card im Unterschied zur A3640 über einen eigenen Speicher verfügte. Also jetzt alles gut und schön? Auch nicht, denn während der Zugriff auf den Speicher nun schneller funktionierte, weil der ja qusi gleich nebenan war, lief der Prozessor insgesamt langsamer.

Doch egal welche Begründung für die Rückkehr zum 030er Prozessor herhalten musste – für zahlreiche User war das Vor und Zurück in Sachen CPU wohl doch ganz schön affig. Zumindest hinsichtlich Geschwindigkeit beim Speicherzugriff gab es ja noch eine andere Lösung und zwar in Gestalt der beliebten Turbokarten. Immerhin verfügten die  ebenfalls über eigene Speicher.

Heißes Teil

Manche Rechner hätte man seinerzeit auch als Heizung benutzen können und je fortschrittlicher sie in Sachen Technik waren, um so mehr Hitze produzierten sie. Der Amiga 4000 machte in dieser Hinsicht nicht nur keine Ausnahme, sondern war anfangs gar ein besonders heißes Exemplar. Grund dafür war einer, der den Usern einerseits gefiel – nämlich ein verhältnismäßig kleines Gehäuse. Darin staute sich dann die von den zahlreichen zahlreichen technischen Komponenten produzierte Hitze. Selbstverständlich war ein Lüfter vorhanden.

Amiga 4000 Case

Doch bezüglich diesem gab es einen merkwürdigen Konstruktionsfehler. Der Lüfter blies nämlich die heiße Luft nicht von innen nach außen, sondern outete sich wie ein Staubsauger, der die Außenluft nach innen sog. Logisch dass so etwas höchst kontraproduktiv ist. Der Lüfter musste also anders herum eingebaut werden. Danach trieb er zwar einiges von der Hitze aus dem Gehäuse heraus. Doch es blieb genug übrig, um die Konstrukteure noch mal zu aktivieren. Die spendierten dem Amiga 4000 schließlich einen aktiven Kühler für die CPU. Außerdem wurden, wo es möglich war, die Kabel im Gehäuse verkürzt. Dadurch wurde eine bessere Zirkulation der Luft erreicht.

Nutzloses Bauteil

Nun sind ja Amiga-Modelle immer höchst innovativ gewesen, was ihnen zu Recht einen legendären Ruf einbrachte. Diese Innovationsfreude brachte bisweilen auch absurdes hervor. Ein solches Beispiel war der Amiga 4000 D. Dieser besaß nämlich einen Jumper, mit dessen Hilfe ein Umschalten zwischen 2 MB- und 8 MB RAM möglich gewesen wäre. Dummerweise gab es weit und breit keine 8 MB RAM. Natürlich hätten User eine 8 MB Speichercard einbauen können mit dem Ziel, diese als Chip-RAM zu verwenden.

Der Amiga 4000

 

Das wurde teilweise auch so gemacht und der Jumper konnte auf diese Chip-RAM auch springen. Verwendet wurden von diesen 8 MB merkwürdigerweise doch nur 2 MB. Der vorhandene Chipsatz konnte nämlich schlicht und ergreifend mit 8 MB gar nichts anfangen. Nach dem Motto „da staunt der Spezialist und der Laie wundert sich“ wurde in der Amiga Community heiß und heftig die Frage diskutiert, warum ein im Grunde nutzloser Jumper eingebaut worden war. Antwort: Ursprünglich war der Jumper nicht allein vorgesehen gewesen, sondern gemeinsam mit einem neuen AAA-Chipsatz. Der hätte sich über 8 MB Chip-RAM gefreut und außerdem weit mehr Grafikmöglichkeiten geboten. Allerdings wurde dieser Chipsatz solange Commodore am Leben war niemals fertig. Der Jumper aber schon – und so bekam er seinen vorgesehenen Platz im Gehäuse des 4000 D.

Amiga 4000 T

Der 4000 T war der Beste aber auch der Letzte in der legendären Amiga-Reihe. Das Licht der Welt erblickte er im Jahre 1994, als der Abgesang auf Commodore schon zu hören war. Bis zum endgültigen Aus des Herstellers konnten lediglich knapp 200 Exemplare gefertigt und verkauft werden. Kurz nach der Pleite von Commodore schien die Flamme des Amiga noch mal aufleuchten zu wollen – geschürt von dem deutschen Computerhändler ESCOM.

Dafür wurde extra die Tochter Amiga Technologies gegründet, die den 4000 T auch wieder produzierte und dafür auch ehemalige Mitarbeiter von Commodore einstellte. Doch die Kassen und Konten von ESCOM waren nicht gut genug gefüllt, um notwendige Weiterentwicklungen voran treiben zu können. So landete schon bald nach Commodore auch ESCOM im Sumpf der Pleite und so war das Aufflackern der Hoffnung für den Amiga 4000 T nur von kurzer Dauer.

Doch schauen wir uns den Amiga 4000 T mal etwas genauer an. Von außen betrachtet entsteht der Eindruck, dass man es hier mit einem ganz normalen 4000er zu tun hat, der lediglich in einem Tower gelandet ist. Das T im Modellnamen untermauert diesen Eindruck auch noch. Doch der Blick in den Tower hinein offenbart, dass wir es hier offenbar mit einem Computer zu tun haben, der sich technisch mit etlichen Details vom normalen 4000er unterscheidet. Er hat natürlich alles auf Lager, was durch den 4000er Standard geworden war, wozu natürlich auch der seinerzeit noch recht neue AGA-Chipsatz gehört. Die für Expansion erforderlichen Slots sind jedoch nicht mir auf dem Daughterboard zu finden. Stattdessen haben sie ihren Platz auf der Hauptplatine gefunden. Fast alle externen Anschlüsse haben hier eigene Karten, deren Verbindung mit dem Mainboard per Kabel hergestellt wird. Nur beim Tastaturanschluss wurde diese Änderung nicht vorgenommen. Das Netzteil ist auch ein anderes als in den üblichen 4000ern und ähnelt mehr dem eines PC. Zumindest PC kompatibel sind auch sämtliche Stromanschlüsse auf dem Mainboard, auf dem übrigens auch das Chip RAM aufgelötet ist. Lautsprecher sind im Amiga 4000 T  übrigens auch eingebaut.

Zum charakterisieren des Amiga 4000 T bietet sich eindeutig und zwangsläufig der Begriff Multimedia-Computer an. Damit setzte er 1994 natürlich jene Tradition fort, die nur neun Jahre zuvor mit dem ersten Amiga 1000 für großes Aufsehen sorgte. Gleichzeitig beendete er sie leider auch. Dabei konnten User mit ihm nicht nur Text, Sprache, Musik, Grafik und Video produzieren oder bearbeiten – das konnte ander inzwischen auch. Aber seine Fähigkeit, die verschiedenen medialen Bereiche zu umfassenden und vielschichtigen Präsentationen verknüpfen zu können, war noch mal etwas ganz Neues. Damit beendete Commodore, diese höchst innovative Computerschmiede, ihre Existenz groteskerweise mit einem absoluten Spitzencomputer. Tolle Produkte schützen offenbar vor der Pleite nicht.

Und Heute?

Nun, Commodore gibt es nicht mehr und auch Amiga scheint Geschichte zu sein, allerdings technisch eine glanzvolle. Daher ist diese Geschichte tatsächlich auch noch nicht ganz und gar zu ende. Das trifft u. a. auch auf das Modell 4000 zu, an dem eingeschworene Fans noch immer ihre Freude haben.  Das muss nicht einmal rein nostalgisch zu verstehen sein. Vielmehr sind innerhalb der Amiga Community Leute im wahrsten Sinne des Wortes „am Werk“, um Teile für dieses Modell zu produzieren. Aber keineswegs als reines Remake, sondern in Form neuartiger Teile.

Gut, das ist kein Wunder, denn diese Community ist traditionell bastelfreudig. Da wurde schon von Beginn an versucht, mit allerlei Tricks noch mehr aus den Amiga-Modellen heraus zu kitzeln, was häufig auch gelang. Daher verwundert es keineswegs, dass einer dieser kompromisslosen Freaks für den 4000er ein neues Mainboard ausgebrütet hat. Gemeint ist Paul Rezendes, der das Projekt auf der Basis von Crowdfunding realisierte. Um dem originalen Mainboard mit vier Lagen auf die Schliche zu kommen, nahm er es zunächst auseinander. Dabei kam er zu dem Schluss, dass manche der Leiterbahnen nicht besonders sinnvoll platziert waren. Seine Lösung dafür war ein Mainboard mit sechs Lagen. Mal schauen, was noch alles kommen wird.

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